15 SEP 2014

Steuerkuriositäten mit Capsivera

Unser Crowdinvesting-Unternehmen Capsivera Steuerberatung stellt sich täglich den Herausforderungen des deutschen Steuerrechts. Dass es dabei auch zu unterhaltsamen Begebenheiten kommen kann, berichtet der Geschäftsführer Christian Bröder.

Capsivera Steuerkuriositäten

Der Fall des „rasenden Tierarztes“
(Amtsdeutsch: Unangemessener Fahrzeugaufwand eines Freiberuflers)

Dieser Fall ging durch die Presse. Ein Tierarzt für Kleintiere hatte die Kosten seines Ferrari Spider bei der Einkommensteuererklärung geltend gemacht. Er wurde jedoch vom Finanzamt, das die Kosten so nicht anerkennen wollte, böse ausgebremst. Logisch, klare Sache, kein Zweifel… sicherlich die erste Reaktion auf die Entscheidung.

Doch ganz so leicht durfte sich auch das Finanzamt die Entscheidung nicht machen.

Worum geht es?

Der Tierarzt nutze zunächst einen Porsche Boxter, ersetzte diesen anschließend mit dem Ferrari Spider. (Die Nutzung des Porsche Boxter war für das Finanzamt im Übrigen kein Problem.)

Der Tierarzt beachtete alle „Regeln der Steuerkunst“. Er ordnete den Wagen seinem Betriebsvermögen zu - zeigte dem Finanzamt also an, dass es sich um ein betrieblich genutztes Kfz handelte. Außerdem zeichnete er die betrieblichen und privaten Fahrten auf. (An einem ordnungsgemäßen Fahrtenbuch mangelte es zwar, jedoch war dies für den Fall – ausnahmsweise! – unerheblich.)

Reaktion der Finanzverwaltung

Das Finanzamt und später das Finanzgericht setzen nur einen verschwindend geringen Anteil der Kosten an. Beide zählten die Anschaffung des Ferrari Spider zu den steuerlich nicht abzugsfähigen Kosten der privaten Lebensführung des Tierarztes.

Der Bundesfinanzhof – das höchste deutsche Finanzgericht – folgte der Argumentation der Vorinstanzen nicht. Betriebsvermögen sei das Fahrzeug schon… ALLERDINGS: Als Betriebsausgaben seien nur die angemessenen Kosten des Fahrzeuges zu berücksichtigen.

Doch welche Kosten sind angemessen?

Hat nicht der Unternehmen die Freiheit zu bestimmen, wie viel Geld er in sein Unternehmen investiert? Die Antwort: nicht ganz! Ist der betriebliche Aufwand durch die private Lebensführung des Steuerpflichtigen (mit)veranlasst – selbst wenn wie im vorliegenden Fall das Fahrzeug betrieblich genutzt wird – soll unangemessener Aufwand nicht steuermindernd berücksichtigt werden.

Abzustellen ist stets auf die Sicht eines ordentlichen und gewissenhaften Kaufmannes. Hätte dieser, nach Prüfung des Einzelfalles - also der Größe des Unternehmens, der Höhe der Umsätze und der Bedeutung des Fahrzeuges für die Repräsentation des Unternehmens - die Anschaffung nicht getätigt, so ist der Aufwand in der Regel unangemessen.

Fazit

Umkehrschluss: Ist ein Ferrari Spider für die Repräsentation des Unternehmens von außerordentlicher Bedeutung oder ermöglicht dessen Besitz gar den Abschluss eines sonst nicht zu realisierenden Umsatzes, sind die Kosten m. E. in vollem Umfang abziehbar. DENN: Das Finanzamt versteuert ja auch den entsprechenden Gewinn.

Pech für den Tierarzt. Für ihn bleiben die Kosten nicht abzugsfähig.

Mehr Informationen zu Capsivera sowie die Möglichkeit in das Unternehmen zu investieren, gibt es auf unserer Projektseite.